Burgplatz · Leipzig

Germany
2016
Wettbewerb
Fassadengestaltung

Auftraggeber:
Petersbogen Burgplatz GmbH vertreten durch Clifford Chance Deutschland LLP

Generalplanung:
HPP Architekten, Leipzig

Tags:
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HOTEL UND GESCHÄFTSHAUS AM BURGPLATZ

Die Leipziger Innenstadt wird von Gebäuden unterschiedlichster Epochen bestimmt. Das Verfahren stellt einen Fassadenentwurf für einen geplanten Geschäfts- und Hotelneubau zur Aufgabe, welcher sich in das städtebauliche Ensemble bestehender, von Passaden-Gebäuden durchzogener Stadtstruktur einordnen soll. Mit der Schließung der Baulücke am Burgplatz soll der Anschluss an die jeweiligen Nachbarbauten gelingen, um so den historischen Ort wieder zurückzugewinnen.

Unser Entwurfskonzept zur Fassadengestaltung ist durch eine klassisch zurückhaltende Ordnung geprägt. Der Baukörper zeichnet sich durch große Plastizität aus. Die Fassade spannt in Entwurf, Materialität, handwerklicher Ausführung und Ornamentik einen Bogen zu der lokalen Bautradition des vorletzten Jahrhunderts. Traditionelle Gestaltungselemente sind weitergedacht, ohne sich dabei abstrakt-anonym darzustellen. Die profilierten Oberflächen mit ihren Vor- und Rücksprüngen, steinerne wie auch transparente, erzeugen ein Spiel von Licht und Schatten und stellen hierdurch Bezüge zum historischen baulichen Kontext her.

Grundstruktur der Fassade bildet ein klares Rasterwerk, welches sich aus der inneren funktionalen Struktur ableitet. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen geschlossenen und offenen Fassadenflächen prägt den in sich ruhenden Gebäudekörper. Dadurch erfährt er eine noble Präsenz im Straßenraum. Die Fassadengliederung ist im klassischen Kanon komponiert. Eine zweigeschossige Sockelzone aus Erdgeschoss und erstem Obergeschoss bildet die Basis für die weiteren Obergeschosse. Die Basis setzt sich durch die handwerkliche Bearbeitung des für die Region typischen Sächsischen Sandsteines von den oberen Geschossen ab.

Die Fassadenfront zum Burgplatz bildet mit dem doppelgeschossigen Eingangsbereich in die Petersbogen-Passage die repräsentative Ebene. Der auf Konsolen angebrachte plastische figurale Schmuck verstärkt den öffentlichen Charakter der Schaufassade. Im vorgestellten Entwurf stehen für Leipzig typische Skulpturen Pate für ein noch näher zu definierendes bildhauerisches Programm, zu dem sich der Bauherr verpflichten sollte. Noch sind nicht alle Geschichten dieser bedeutenden Handelsstadt erzählt. Die Region ist reich an zeitgenössischer bildhauerischer Schöpfungskraft oder vielleicht schlummern im Stadtmuseum bildhauerische Werke, die noch einen geeigneten Standort suchen.

Die Fensterelemente im Sockelbereich sind vitrinenartig konzipiert. Über sie führen die Zugänge zu den einzelnen Ladeneinheiten. Die Fassadenwerbung ist in Form von Einzellettern auf den Fensterbereich zwischen dem Erdgeschoss und erstem Obergeschoss beschränkt. Mit der im Detail betonten Gestaltung des Hoteleinganges ist die Adressbildung gegeben.

Im ersten Obergeschoss zeichnen sich die dahinter befindlichen Sondernutzungen, wie Konferenz- und Tagungsräume durch großzügige Verglasungen ab. Ein durchlaufendes Geländermotiv im zweiten Obergeschoss erzeugt Maßstäblichkeit und definiert zugleich den subtilen Übergang der Sockelzone zu den darüber liegenden Geschossen mit Hotelzimmern.

Die Fassade der Regelgeschosse ist gegliedert durch die gleichmäßig rhythmische Abfolge von Pfeilern und Öffnungen. Als einheitliches Natursteinmaterial für die vorgehängte hinterlüftete Fassade wird Cottaer Sandstein in Gelbton (mit entsprechender Wärmedämmung nach der Energieeinsparverordnung) vorgeschlagen.

Sonnenschutz ist mittels der Verglasungen als farbneutrale Sonnenschutz-Isolierverglasung gegeben. Die Aluminium-Fenster-Elemente sind in sattem Bronzeton beschichtet. Jedes Hotelzimmer hat ein zu öffnendes Fenster. Eine transparente Absturzsicherung stört den Eindruck der bodentiefen Fensterelemente nicht. Die dreigeteilten Fenster mit den hervortretenden erkerartigen mittleren Fenstersegmenten sind eine moderne Interpretation des für Leipzig typischen „Bay-Window“ und erzeugen lebendige Plastizität. Das wiederkehrende Fenstermotiv spiegelt in seiner Ordnung die Hotelnutzung wieder und ist über alle Hotelzimmer gleich ausgebildet. Durch das gleichmäßige Fassadenbild mit der ortsbezogen Fenstertypologie wird das Hotel durchgängig ablesbar und erzeugt einen deutlichen Wiedererkennungswert mit individueller Note.

Der Entwurf reagiert auf die unterschiedlichen Traufhöhen der benachbarten Bauten. (Unter Beachtung der Gebäudehöhe von über 22 Metern und der resultierenden Einstufung als Hochhaus sind im Wesentlichen nicht brennbare Baustoffe geplant.) Eine Attikabrüstung betont den mittleren Gebäudeabschnitt. Ein auskragendes Gesims entlang der Traufkante und das geringfügig zurückgesetzte oberste Geschoss artikulieren den Übergang zum Dach.