Nordsteimke-Hehlingen · Wolfsburg

Germany
2014
competition

Link:
Siedlungsentwicklung Nordsteimke-Hehlingen

Client:
Stadt Wolfsburg

Co-Authors:
GfP Gesellschaft für Planung
Fugmann Janotta Landschaftsarchitektur

Tags:
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Anlass des städtebaulichen Ideenwettbewerbs ist die Entwicklung eines neuen Wohnquartiers auf einer bislang landwirtschaftlich genutzten Fläche von 150 ha im Südosten Wolfsburgs.

Das städtebauliche Konzept besteht aus drei neuen Dörfern, rund um die aus den landschaftlichen Strukturen entwickelte grüne Mitte. Die städtebaulichen Figuren stellen keine sich entlang einer durch Autoerschließung entwickelte Hierarchie dar. Jedes Dorf besitzt eine eigene, aus seiner Mitte geborene Identität. Entlang der Dorfstraße, einer szenischen Route, sind die Dörfer miteinander mit der Umgebung verbunden.

Die drei Dörfer haben jeweils ausreichend Bewohner für eine eigene soziale Infrastruktur. In den größeren landschaftlichen Räumen sind hochwertige Grünzüge und ein sinnvolles Verkehrsnetz eingebettet. Identitätsstiftend sind nicht abstrakte, nur aus der Luft wahrnehmbare Formen sondern aus Augenhöhe wahrnehmbare Räume. Sie werden täglich von ihren Bewohner durchkreuzt und genutzt. An einer zentralen Straße oder einem Platz liegen in jedem Dorf die wichtigsten Nutzungen und Gebäude. Der Charakter reiner Wohnsiedlungen wird vermieden.

Die Verkehrsplanung sieht zur Förderung des Fuß- und Radverkehrs logische, direkte Verbindungen zwischen den wichtigsten Zielen vor. Hauptrouten mit straßenbegleitender Bebauung und gemischtem Tempo-30-Verkehr sorgen für eine gute Orientierung, soziale Kontrolle und Sicherheit. Der übergeordnete Verkehr wird über die L290 und die neu zu bauende Nordspange um die Wohngebiete geleitet. Ein landschaftlich gestalteter Wall schirmt den Verkehrslärm ab. Die Nordsteimker Straße wird von einer reinen Autoverkehrstrasse zu einer zentralen Straße für alle Verkehrsteilnehmer ausgebaut. Die maximale Geschwindigkeit wird hier auf 50 oder 30kmh reduziert. Vorrang bekommen Busse, die direkte Verbindung nach Wolfsburg bieten.

Der Charakter der drei Dörfer wird differenziert, inspiriert durch Dorftypologien der Umgebung: Angerdorf, Rundling und Haufendorf. Im Dorfkern befinden sich jeweils eine Kita, ein Spielplatz sowie soziale Einrichtungen. Hier werden spezielle Wohnformen thematisiert, und es gibt Raum für kleinteilige Dienstleistungsangebote, einen Tante-Emma-Laden oder fahrende Obst-/Gemüsehändler.

Die Bebauung im Dorf orientiert sich an dörflichen Bebauungstypologien. Die regional typischen Hofstrukturen werden zeitgenössisch interpretiert. Um den Hof als gemeinschaftlicher Außenraum, Park- oder Spielplatz gruppieren sich Apartments, Reihenhäuser und Seniorenwohnungen. Mehrheitlich werden die Dorfstrukturen mit herkömmlichen Einfamilienhäusern, Doppelhaushälften und Reihenhäusern bebaut.

Zum Stadtteilzentrum erweitert wird das bestehende Einkaufszentrum. In den Erdgeschossen kann kleinteiliger Einzelhandel angesiedelt werden. Der Platz und die Zuwegungen schließen an die bestehenden Wegeverbindungen an und regen eine stufenweise Neuentwicklung an. Zusammen mit weiteren sozialen Einrichtungen, Dienstleistungen und einer Grundschule entsteht hier ein vielfältiges Zentrum.

Das geplante Freiraumsystem berücksichtigt die prägenden landschaftlichen Strukturen sowie die geschützten Biotope und bindet das neue Stadtviertel harmonisch in die Landschaft ein. Die grüne Mitte zitiert die angrenzende Kulturlandschaft und bietet vielseitige Nutzungs- und Bewegungsangebote für alle Altersgruppen. Sie ist über breite Grünverbindungen und Quartiersparks mit der umliegenden Feldlandschaft bzw. mit den zentralen Dorfplätzen verbunden. Wasserrückhaltebecken sowie ein Lärmschutzwall an der Nordspange und der L290 werden durch landschaftliche Gestaltung in das Freiraumsystem integriert.

Das Energiekonzept entscheidet in einem innovativen Wohnquartier häufig über die Zukunftsfähigkeit mit und kann die Betriebskosten nachhaltig senken. Über eine dezentrales und anpassungsfähige Kraft-Wärme Kopplung können Synergien aus Wärme und Strom direkt und vor Ort genutzt werden. Eine Ergänzung mit Photovoltaik, als wirtschaftlich interessante Contracting Option, kann sich hier sinnvoll in ein energetisches Gesamtkonzept einfügen. Über das Erdgas-Grundversorgungsgebiet kann die Strom–, Raumwärme- und Warmwasserversorgung abgedeckt werden und die CO2-Emissionen beim Betrieb deutlich senken. Über den virtuellen Zukauf von Biogas aus der Region Wolfsburg können die CO2 Emissionen weiter auf ein Minimum reduziert werden.